Dienstag, 4. September 2018

Schrotflinten-Wissen


In vielen Unternehmen ist Wissen ähnlich organisiert wie nach einem Schrotflinten-Schuss: Überall liegen entsprechende Teilstücke herum.



(Bildquelle: Pixabay)

„Shotgun-Sequencing“ – Wissen hier, Wissen da

Jetzt heißt es „Wissensmanagement“ einzuführen!

Nachdem in die berühmteste aller berühmten Managementnormen, in ISO 9001:2015, das Thema „Wissen“ Einzug gefunden hat, propagieren jede Menge Berater und Beraterinnen, dass jedes Unternehmen „Wissensmanagement“ einführen muss. Der berühmte Kabarettist Rüdiger Hoffmann würde dazu seine berühmten Worte sagen: Wissensmanagement kann man einführen, muss man aber nicht. Und ich würde da Herrn Hoffmann Recht geben – zumindest wenn es nur um ISO 9001:2015 geht.

Aber: Um das Thema „Wissen“ sollte sich jedoch wirklich jedes Unternehmen intensiv Gedanken machen. Es ist und bleibt eine enorm wichtige Ressource! Es kommt natürlich darauf an, welchen Anspruch man daran hat. Und leider erinnern hier viele Unternehmen mit ihrer Methode mit Wissen umzugehen an das berühmte „Shotgun Sequencing“: Dieses Verfahren stammt aus der Molekularbiologie. Hier werden DNA-Stränge in sehr viele kleine Teilstücke fragmentiert, um diese besser entschlüsseln zu können. Nach dem Entschlüsseln werden sie mit entsprechenden Überlappungen wieder zusammengesetzt. Diese Schrotflinten-Sequenzierung funktioniert in der Molekularbiologie ganz gut; alleine schon deswegen, weil es praktisch keine Alternative dazu gibt.


Das Ganze – nach dem Schrotflintenschuss

In vielen Unternehmen ist Wissen aber ähnlich organisiert wie nach einem Schrotflinten-Schuss. Überall liegen entsprechende Teilstücke herum. Man kann die Teile vielleicht zusammensetzen, aber ob das jemals ein sinnvolles Ganzes ergibt? Es ist stark zu bezweifeln!

Die Frage stellt sich, warum das in vielen Organisationen so ist, wie es ist. Ein wesentlicher Grund dürfte darin liegen, dass immer nur das Notwendige an Wissensbausteinen beschafft und entwickelt wurde. Und zwar dort, wo es unmittelbar gebraucht wurde und wird. Somit entstehen Wissensinseln. Im Ganzen betrachtet: Wissensfragmente, die vielleicht ein sinnvolles Ganzes ergeben können. Der berühmte Hoffmann würde ergänzen: Müssen sie aber nicht. Tun sie wahrscheinlich auch nicht. Oftmals ist es auch überhaupt nicht nachvollziehbar, wo sich welches Wissen befindet, oder ob es sich überhaupt irgendwo befindet oder noch interessanter: Wissen ist irgendwo im Unternehmen vorhanden, aber keiner weiß (mehr) davon. Eben wie nach dem Volltreffer mit einer Schrotflinte. 


Wissen für den Kunden

Die zweite Frage, die sich daran anschließt: Warum und wie sollte das geändert werden? Dazu ist es sinnvoll, sich über den jeweiligen Unternehmenszweck Gedanken zu machen! Dieser liegt darin, sehr allgemein gefasst, dass Mitarbeitende eines Unternehmens die wie auch immer gearteten Probleme von Kunden lösen wollen. Vielleicht sogar mit Innovationen. Das ist zugegeben banal! Aber viele Unternehmen wissen das trotzdem nicht mehr! (Siehe hierzu auch „Wissen FIRSt„)

Viele Unternehmen, und vor allem eben viele Führungskräfte wollen nicht die Probleme von Kunden lösen, sondern schlichtweg Geld, sehr viel Geld verdienen. Und das ist ein enormer Unterschied! Für die Lösung von Kundenproblemen wird systematisches Wissen als Ganzes benötigt, denn der Kunde muss verstanden werden. Für den möglichst hohen Profit reicht sequentielles Wissen; Methodenwissen. Eine Wissensvision, nach der eine sinnvolle und umfassende Wissenssystematik generiert werden könnte, die auch Innovationen zulässt, ist nur für Kunden, aber nicht für Profit notwendig.

Dass Profit zumeist nur über die langfristige Erfüllung von Kundenanforderungen möglich ist, wird dabei sehr oft vergessen. Und damit sind wir auch wieder bei ISO 9001:2015 angelangt. Die Organisation benötigt nicht unbedingt ein ausgefeiltes Wissensmanagementsystem. Aber sie benötigt das Wissen, inkl. Identifikation, Sicherung, Verteilung, Entwicklung etc., um die Anforderungen ihrer Kunden und anderer Interessierter nachhaltig zu erfüllen.

Die Schrotflinte hilft dabei verständlicher Weise nur wenig. Es sei denn, Sie haben Ihren gesamten Wissensspeicher auf einem Rechner abgelegt, der dann seinen Geist aufgibt. Zu diesem Zusammenhang „Schrotflinte – Rechner“ gibt es dann einige Lösungsvorschläge in Form von Videos auf youtube (hier ein Video über einen etwas erzürnten Vater). Und die sind, belegt durch die millionenfachen Views, wohl auch ziemlich berühmt – auch wenn sie wissenstechnisch nicht richtig weiterhelfen.


(Dieser Artikel wurde erstmals am 16.05.2016 veröffentlicht hier)


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